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Abschlussbericht

Das Ziel dieses Projektes war die eingehende Erforschung der ostasiatischen Raumausstattungen in den beiden „Chinesischen Kabinetten“ und dem Porzellanzimmer in Schloss Schönbrunn. Diese kostbaren Raumensembles aus der Zeit Kaiserin Maria Theresias (1717-1780) sind Zeugnis für die im Barock einsetzende Vorliebe der europäischen Aristokratie für fernöstliche Kunst. Die Interieurs umfassen eine heterogene Sammlung aus 133 Lacktafeln und 242 Porzellanen aus Japan, China und Europa, 10 japanischen Lackvasen, sowie 212 Blaugouachen im Porzellanzimmer.

Diese Raumausstattungen waren Gegenstand interdisziplinärer Forschung mit Fokus auf Materialanalysen, Provenienzforschung und Restauriergeschichte. Basierend auf intensiven Archivrecherchen konnten Veränderung in der Aufstellung und Zusammensetzung der Sammlung (Verlust und Integration von Objekten) vom 18. bis ins 20. Jahrhundert erfasst und die Restauriergeschichte rekonstruiert werden, welche einen direkten Einfluss auf den heutigen Erhaltungszustand der unterschiedlichen Objekte hat. Spezifische Eingriffe, wie etwa das Durchbohren der Böden der Porzellangefäße, um sie mit Schrauben auf den wandmontierten Holzkonsolen zu befestigen, sowie das Zersägen der Lacktafeln, konnten durch die Erforschung durch Kunsthistorikerinnen und Konservierungswissenschaftlerinnen zeitlich eingeordnet werden. Naturwissenschaftliche Materialuntersuchungen sowie technologische Studien erweiterten das bisher fragmentarische Wissen um die Ausstattung und die Objekte.

Durch den Nachweis spezieller Materialkomponenten, wie beispielsweise von Blut in der Grundierung der Lacktafeln, konnte in Kombination mit kunstgeschichtlichen Gutachten und Stilanalysen Provenienz und Datierung verifiziert werden. Eine umfassende konservatorische Bestands- und Zustandsaufnahme ermöglichte es, Schadensphänomene an den Objekten und Auswirkungen historischer Eingriffe auf den Erhaltungszustand zu erfassen. Darauf basierend konnten in ständigem Austausch mit internationalen Experten innovative Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen getestet und eruiert werden. Fokus lag hierbei auf bewährten asiatischen und europäischen Behandlungsmethoden für Lackoberflächen, der Reduktion von Verfärbungen auf Papier und dem Umgang mit Altrestaurierungen und großflächigen Übermalungen auf Porzellan.

Für die künftige Präsentation der beiden Chinesischen Kabinette wurde die historische Anordnung der Porzellane und Lacktafeln rekonstruiert. Gleichzeitig erlaubt das neu entwickelte Montagesystem für die Porzellane deren sichere und reversible Befestigung auf den Konsolen. Es basiert auf Wachsen, welche anhand von Testreihen zu deren chemischen und physikalischen Eigenschaften ausgewählt wurden. Im Porzellanzimmer wurde die Hängung und Montage der Blaugouachen optimiert und ein Monitoring-Programm (Lichtüberprüfung) auf Basis photometrischer Messungen entwickelt.